Hier möchte ich meine eigene Pferdegeschichte erzählen:
Am 1. Mai 1992 ging ein Traum in Erfüllung ... mein erstes eigenes Pferd. Und damit begann ein intensiver Entwicklungsprozeß für mich und ihn. In den ersten Jahren litten wir - er körperlich, ich emotional und finanziell - unter permanent wiederkehrenden periodischen Augenentzündungen (PA). In dieser Zeit war ich oft verzweifelt und hoffnungslos. Mir wurde von den Tierärzten immer wieder erzählt, dass diese PA früher oder später zur Erblindung führt und dass eine OP zu gefährlich wäre. Die Angst war somit immer präsent. Er erblindete nach ´ner Zeit auf dem rechten Auge. Am linken wurde er operiert, da sich dort auch schon Schlieren gebildet hatten - zwischenzeitlich war die OP recht Erfolg versprechend. Natürlich habe ich verschiedene "Unpässlichkeiten" wie z. B. Sehnenzerrung mit 3-monatiger Stallruhe und täglichem spazieren gehen nicht ausgelassen. Aber was mich am wahnsinnigsten machte war, dass er einfach keine Lust zum Reiten hatte. Aber nicht nur das, er war irgendwie nicht richtig schön und angenehm zu reiten, zumindest nicht so, wie ich mir Reiten vorstellte. Auch ansonsten hat sich seine Lebensfreude immer weiter zurückgezogen. Wenn ich auf der Koppel zu ihm ging, bemerkte er mich erst, als ich bei ihm war. Er trottete brav hinter mir her, ohne sonderliches Interesse für seine Umwelt, so nach dem Motto "Bist du da -> gut, bist du nicht da -> auch gut". Das war sehr frustrierend, wenn man doch eigentlich nur das Beste für sein Pferd will und alles Mögliche macht und tut und dafür nix zurückbekommt. Er bekam auch eine Zeitlang Bach-Blüten, die schon Wirkung zeigten, aber nicht tief genug an seine Probleme rankamen.
Im Sommer 2001 kam ich per Zufall an eine Tierheilpraktikerin, die mit einem Tensor arbeitete. Diese mischte mit mehreren verschiedenen homöophatischen Cocktails mein Pferd erst mal auf; d. h. sie holte es geistig, mental und körperlich wieder ins Leben zurück. Durch diese homöopatischen Mittel hörten endlich auch die wiederkehrenden Entzündungen in seinem blinden Auge auf. Dadurch hellte sich sein Gesichtsausdruck deutlich auf, da er nun keine Schmerzen mehr hatte. Somit hatte er sich körperlich wieder ziemlich gut erholt. Aber unser Miteinander entsprach bei weitem nicht meiner Vorstellung. Er brachte mich immer wieder an meine Grenzen und konfrontierte mich mit meiner Ohnmacht und das erzeugte Aggressionen. Kein angenehmer Teufelskreis!
Und dann begann ich 2003 die Persönlichkeitstrainerausbildung für Mensch und Pferd bei Susanne E. Schwaiger. Und DAS veränderte die Beziehung zwischen uns grundlegend. Endlich wußte ich, was ich tun musste und was ich nicht tun durfte. Durch das Verständnis der Pferdesprache aus der Sicht des Pferdes begriff ich endlich, welche Rechte und Pflichten ich ihm gegenüber hatte. Und durch das GEWALTFREIE Miteinander; d. h. auch ohne psychischen Druck (darauf legte meineAusbilderin gesteigerten Wert!!) kam es ruckzuck zu einer Harmonie zwischen uns. Ich konnte nur noch staunen. Ich wurde interessant für ihn. Und so banal es klingt, endlich konnte und mochte ich wieder mit ihm spazieren gehen. Das war vorher eine höchst unangenehme Sache ,da er immer wieder graste oder einfach stehen blieb etc. ... ich fühlte mich dabei meist ohnmächtig und gab es schließlich auf. Es wurde nur noch geritten; da hatte ich mehr Kontrolle. Aber nach diesen Erkenntnissen, die ich nun in den alltäglichen Umgang integrierte, ging ich endlich nach Jahren wieder mit meinem Pferd spazieren...und siehe da, endlich klappte es. Und immer häufiger kam es vor, dass mir mein Pferd nachschaute, wenn ich es wieder zurück auf die Koppel brachte. Das gab es früher NIE! Da war nur sein Kumpel wichtig. Ich konnte mich anfangs gar nicht sattsehen, an diesem verändertem Verhalten. Seitdem gibt es solche Mißverständnisse wie früher einfach nicht mehr. Jeder von uns beiden profitierte von dem Wissen der Pferdesprache. Somit war auch diese vielseits "gefürchtete" Konsequenz kein Thema mehr. Es machte vielmehr nun sogar Spaß, zu sehen, welche Ergebnisse das hervorbrachte.
Die Partnerschaft zwischen uns klappte prima, ...aber das Reiten war immer noch nicht das große Vergnügen, weder für ihn noch für mich. Und irgendwie kam ich 2004 mit APM in Berührung und in 2005 begann ich diese Ausbildung. Und dieses Wissen lasse ich auch in den alltäglichen Umgang mit meinem Pferd einfließen. Aber da das immer so eine Sache ist "das eigene Pferd therapieren" ließ ich weitere Behandlungen von einer Kollegin durchführen und klagte mein Leid über das mangelnde Vergnügen, dieses Pferd zu reiten. Aber aufgeben konnte ich all die Jahre nicht, da ich einfach wusste, dass in dem Pferd mehr drin steckte als mir andere Leute wie HP, Tierärzte, Osteopathen oder Reitlehrer weis machen wollten. Dieses Wissen war in mir immer ungebrochen.
Und dann stellte sich halt raus, dass er ein Wirbelsäulenproblem hatte (wie fast alle Pferde !). Das wunderte mich nicht, wurde doch eine HD vor Jahren im Hüftgelenk diagnostiziert. Das nahm ich damals zur Kenntnis, wartete aber immer darauf, dass ich irgendwie und irgendwann die Lösung dazu bekommen würde. Tja, und heuer im Sommer/Herbst wurde mein Pferd "gerichtet" und ich konnte den Erfolg beim Reiten spüren. Anfangs war´s noch nicht so spürbar, da er sich erst an die veränderte Situation gewöhnen musste, aber nach und nach bemerkte ich deutlich einen Unterschied zu früher. Allmählich passte sich die Muskulatur an die neue Statik an und es fiel ihm leichter, sich locker und kräfteschonend zu bewegen. Er reagierte somit spontaner auf reiterliche Hilfen. Und nun ist es soweit, dass ich nur noch voller Freude zu meinem Pferd fahre. Nun macht alles Spass --> der Umgang und das Reiten mit ihm. Das ist für mich der Beweis dafür, das man an seine Visionen glauben muß. Denn nun bin ich schon fast an dem Ergebnis, dessen inneres Bild mir all die Jahre den Halt gegeben hat, nicht aufzugeben und immer nach neuen Möglichkeiten zu suchen.
Ich wünsche jedem, dass er früher oder später dieses Glück der Harmonie zwischen sich und seinem Pferd erleben darf.